I-CH Informatik Berufsbildung Schweiz

Das Schweizerische Baukastensystem


Modulbaukasten

Die Modularisierung der Informatik Berufsbildung baut auf den von
MODULA entwickelten Grundlagen und Instrumenten auf. Die wichtigsten Begriffe und deren Zusammenhänge werden hier kurz zusammengefasst.

Die Transparenz, die durch das Modularisierungskonzept von MODULA geschaffen wird, ermöglicht Flexibilität und Synergien in mehrerer Hinsicht:

auf der strukturellen Ebene durch die Funktionsweise des Systems;

auf der pädagogischen Ebene (Curriculum, Didaktik, Lernpsychologie) durch die Qualität;

auf der organisatorischen Ebene durch die Beziehung zu anderen Bildungssystemen.

Alle Module sind wegen der einheitlichen Strukturmerkmale jederzeit vergleichbar.


Baukastensystem

Ein vollständiges Baukastensystem enthält idealerweise alle Module aller Berufsfelder für die Aus- und Weiterbildung. Es besteht aus einzelnen Baukästen, z.B. dem Baukasten Informatik, die sich wiederum aus mehreren Bausätzen zusammen setzen.


Baukasten

Der Modulbaukasten Informatik besteht aus allen Informatikmodulen, die für die fachliche Aus- und Weiterbildung von Informatikerinnen und Informatikern erforderlich sind.

Für die berufliche Aus- und Weiterbildung im Berufsfeld Informatik sind neben dem Modulbaukasten Informatik noch Module anderer Berufsfelder, d.h. Module aus anderen Baukästen erforderlich.


Bausatz bzw. Richtung

Ein Baukasten besteht aus mehreren Bausätzen und ein Bausatz aus mehreren Modulen. Das Merkmal eines Bausatzes ist, dass er die Module so zusammenfügt, dass sie zu einem Abschluss führen. Ein Bausatz besteht also immer aus mehreren Modulen, die zusammen einen beruflichen Abschluss ergeben (z.B. Lehrabschluss mit Fähigkeitszeugnis).

Die unterschiedlichen Bausätze werden als Richtungen bezeichnet. Es können auch individuelle Modulkombinationen gewählt werden (richtungsneutral).

Das Projekt I-CH versteht demnach unter dem Begriff Richtung eine bestimmte Zahl von Modulen (Pflicht- und Wahlpflichtmodule), die zu einem Abschluss führen (z.B. Lehrabschluss mit Fähigkeitszeugnis Informatikerin/Informatiker, mit dem Hinweis auf die Richtung im Notenausweis). Die Anerkennung von Richtungen ist eine Aufgabe von I-CH. Eine Richtung beschreibt die an Kompetenzen orientierte Vertiefung in einer Informatikausbildung der Grund- oder Weiterbildung, z.B. im Bereich der Software-Entwicklung, des Supports etc.


Modulbebauungsplan

Die einzelnen Module der Informatik Berufsbildung ergeben zusammen den Modulbebauungsplan. Zu diesem Zweck werden die IT-Kompetenzfelder nach Niveaustufen (Lehre, Fachausweis, Diplom) aufsteigend geordnet und in die Kompetenzfelder ausserhalb der Informatik eingebettet.


Modulbeschreibung

Die Grundelemente im Baukastensystem sind die Module. Sie sind einerseits in sich geschlossene Lerneinheiten, die autonom für sich stehen und mit Kompetenznachweisen abgeschlossen werden. Zum andern sind die Module Teile von Bausätzen und Baukästen.

Zu jedem Modul existiert eine Reihe von Dokumenten, auf die wir hier in der gebotenen Kürze eingehen wollen.

Zentrales Element eines Moduls ist die Modulbeschreibung. Sie besteht aus der Modulidentifikation, den dazu gehörigen Kompetenznachweisen und dem Modulleitfaden. Die Modulbeschreibung bildet die Grundlage für die durch die Anbieter zu erstellenden Anbieteridentifikationen.


Modulidentifikation

Die sogenannte Modulidentifikation nach Modula beschreibt ein Modul allgemein und enthält alle anbieterunabhängigen Angaben.

Modulidentifikation

¨   Titel

¨   Voraussetzungen

¨   Kompetenz

¨   Handlungsziele

¨   Handlungsnotwendige Kenntnisse

¨   Kompetenznachweis

¨   Objekt

¨   Niveau

¨   Anerkennung

¨   Laufzeit

 

Zu den Rubriken der Modulidentifikation ist Folgendes festzuhalten:


Titel

Der Titel ist kurz und sachlich und dient der raschen Identifikation der Kompetenz, die im Modul vermittelt wird.


Voraussetzungen

Beschreibt die inhaltlichen Voraussetzungen, die notwendig sind, um das Modul erfolgreich zu bearbeiten.


Kompetenz

Eine bestimmte Funktion zufriedenstellend zu erfüllen, ist ein Merkmal von Kompetenz. Es ist daher notwendig, diese Funktion zu analysieren und dar-aus die Kompetenz abzuleiten. Sie ist das übergeordnete Lernziel für die Auszubildenden.Das Ziel der Lernenden ist es also, in einer bestimmten Funktion operativ zu werden. Die Kompetenz enthält die Aussage, welche Aufgabe oder Funktion sie übernehmen können, wenn sie die im Modul bestimmten Lernziele erreicht haben. Von Kompetenzen auszugehen, bietet den Vorteil, fachliche, methodische, soziale und personale Aspekte direkt einzubeziehen. Die traditionelle Fächerorientierung verliert an Bedeutung. Wir beziehen uns dann auf sie, wenn sie für den Erwerb einer bestimmten Kompetenz von Belang ist.


Handlungsziele

Die in einem Modul bestimmte Kompetenz lässt sich in einzelne Handlungsziele gliedern, welche die auszuführende Handlung vollständig beschreiben und situativ einordnen nach der Art des Auftrags, der Komplexität und der mit der Ausführung verbundenen Verantwortung.


Handlungsnotwendige Kenntnisse

Die handlungsnotwendigen Kenntnisse geben die zu vermittelnden Lern- und Wissensinhalte wieder. Sie bilden damit die Brücke vom handlungsorientierten Ansatz zum fachsystematischen Ansatz. Daraus lässt sich der Fächerkatalog ableiten.


Kompetenznachweis

Der Begriff Kompetenznachweis wurde mit Bedacht dem Ausdruck „Prüfung“ vorgezogen. Kompetenzen lassen sich nicht nurund nichtimmer durch Prüfungen nachweisen, sondern es brauchtein erweitertes Repertoire an Evaluations- und Feedbackinstrumenten.

Das Ziel des Nachweises in einem Modul ist die Bestätigung der Kompetenz. Ist sie bestätigt, wird sie zur Qualifikation. Anerkannte Qualifikationen sind die Voraussetzung für den Erhalt von Ausweisen und Diplomen. Der Kompetenznachweis hat also eine grosse Bedeutung im Baukastensystem.


Niveau

In der Informatik Berufsbildung werden 6 Niveaustufen unterschieden. Die Stufen 1 bis 4 entsprechen der Grundbildung, die in der Regel 4 Jahre dauert, Stufe 5 dem Fachausweis, Stufe 6 dem eidgenössischen Diplom.


Anerkennung

Hier steht, für welche Bildungsgänge das Modul als Teilabschluss anerkannt ist.


Laufzeit

Die für die Abschluss- bzw. Diplomanerkennung verantwortliche Stelle bestimmt die Lebensdauer (=Laufzeit) für die angestrebten Kompetenzen. Die Laufzeit eines Moduls legt den Rhythmus fest, in dem es überarbeitet werden muss, um marktgerecht und aktuell zu bleiben.
Hinweis: Die Struktur der Modulidentifikation wurde von I-CH erweitert und ergänzt. Das betrifft insbesondere die Referenzierung von Modulen auf bestimmte Objekte und die verfeinerte Darstellung der Kompetenz eines Moduls in den Handlungszielen.


Modulleitfaden

Der Modulleitfaden bildet für jedes Modul das Bindeglied zwischen der Modulidentifikation und dem Unterricht. Er zeigt exemplarisch, wie die Modulinhalte in die Lernphasen einzubetten sind: Didaktische Aspekte, mögliche Szenarien für den Unterricht, weiterführende Literatur, Ideen für ein attraktives Lernumfeld und Abgrenzungen der stofflichen Inhalte stehen dabei im Vordergrund. Der Inhalt eines Modulleitfadens ist eine wichtige Unterlage für Anbietende, die auf dieser Grundlage Anbieteridentifikationen entwickeln.
Hinweis: Die Modulleitfäden sind Produkte, die im Laufe des Unterrichts der Module entstehen und dabei ständig erweitert und überarbeitet werden.